03.03.2017 - „Was ist denn fair?“ - Weltgebetstag 2017

Am Freitag, 03. März, feierten zahlreiche Frauen und einige Männer den diesjährigen Weltgebetstag in der Cottbuser Oberkirche, zu dem Frauen verschiedener christlicher Konfessionen eingeladen hatten. Dabei stand die Frage „Was ist denn fair?“ im Mittelpunkt des Gottesdienstes, den Frauen aus den Philippinen vorbereitet haben. Zu Beginn des Gottesdienstes begrüßte Superintendentin Ulrike Menzel die Gottesdienstbesucher, insbesondere Sabine Hiekel, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Cottbus, Prof. Simone Schröder, BTU, Schirmfrau der 27. Brandenburgischen Frauenwoche, und Oberbürgermeister Holger Kelch, die es sich nicht nehmen ließen, am Gottesdienst teilzunehmen.

Im weiteren Verlauf des Gottesdienstes veranschaulichten die Akteure anhand von Liedern, Bildern und Texten die Lebensbedingungen in den Philippinen, die Ungerechtigkeiten zwischen den verschiedenen Schichten der Bevölkerung sowie die Unterdrückung besonders der Frauen und Mädchen. Die philippinischen Christinnen rücken das Thema „Gerechtigkeit“ ins Zentrum ihrer Liturgie. Unter Bezug auf das biblische Gleichnis der Arbeiter im Weinberg (Mt 20, 1-16) erzählen Frauen von den Folgen nationaler und globaler Ungerechtigkeiten. Symbolisch erhielten die Teilnehmer während des Gottesdienstes eine kleine Tüte mit Reis. Reis ist das Grundnahrungsmittel für die Menschen und bedeutet Leben.

Bis heute ist ein Tag ohne Reis unvorstellbar. Doch er ist mehr als ein Mittel, um Hunger zu stillen. Reis prägt gesellschaftliches Leben und den sozialen Umgang zwischen den Menschen. Reis verbindet sie. Sie leben davon. Sie arbeiten zusammen auf den Feldern, teilen Not und Sorge, Reis und Gemeinschaft. Sie essen und hungern gemeinsam. Ihr Leben mit dem Reis stützt die Gemeinschaft, in die alle eingebunden sind.

Im Anschluss an den Gottesdienst hatten alle Teilnehmer die Möglichkeit, beim Verkosten philippinischer Gerichte das Gehörte Revue passieren zu lassen und gemeinsam ins Gespräch zu kommen. Die Gerichte wurden von Frauen der Vorbereitungsgruppe zubereitet.

Die Philippinen sind mit mehr als 7.000 Inseln ein Land voller Schönheiten und Gegensätze in Südostasien: Auf der einen Seite tiefgrüne Urwälder, tropische Riffe und die berühmten Reisterrassen, auf der anderen Seite zerstörerische Naturgewalten wie Vulkane und Taifune. Über 80 Prozent der Bevölkerung sind römisch-katholisch. Glaube und Spiritualität prägen die philippinische Kultur und finden sich in vielen Alltagssituationen. Vor allem im Süden auf Mindanao gibt es eine muslimische Minderheit, die rund 5 Prozent der 100 Millionen Einwohner stellt.

Reis ist in den Philippinen allgegenwärtig und hat eine lange Tradition. Auf den Reisterrassen von Banaue im Norden, die zum Weltkulturerbe der Unesca gehören, wird seit über 2.000 Jahren Reis angebaut. Der Reisanbau wurde als Partnerschaft zwischen Göttern und Menschen betrachtet.

In den Philippinen gibt es gute Gesetze, die Frauen gegen Gewalt und Diskriminierung schützen sollen, doch hapert es wie so oft in der Praxis. Vor allem Frauen und junge Mädchen sind von Armut, prekären Arbeitsbedingungen, Rechtlosigkeit und Zerstörung der Natur betroffen. Traditionelle Rollenbilder lassen wenig Spielraum für gerechte Aufgabenverteilung in Familie und Arbeitsleben.

Organisationen wie METSA in Davao oder MTWRC in Cotabato unterstützen Frauen im ländlichen Raum bei Anbau und Verkauf ökologisch produzierter Lebensmittel. Das stärkt das Selbstbewusstsein der Frauen und ihre Position in der Familie. Mit einem stabilen Einkommen kann der Teufelskreis aus Armut, Rechtlosigkeit und Gewalt durchbrochen werden. Gemeinsam mit den Weltgebetstagen Österreich und Schweiz fördert das Deutsche Weltgebetstagskomitee diese und andere Projekte auf den Philippinen. (Quelle: Gottesdienstordnung)

Text: Jutta Lehmann // Fotos: Andreas Lehmann


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