Katholische Kirche in Cottbus

Propsteipfarrei Zum Guten Hirten - Cottbus und Umgebung

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Pfarrbrief Januar

23.04.2017 - Verabschiedung Sr. Michaela

Liebe Schwester Michaela,
liebe Schwestern und Brüder,

wer den neuen Pfarrbrief für den Monat Mai schon gelesen oder bei den Vermeldungen vorige Woche aufmerksam zugehört hat, wird wissen, worum es heute geht: Sie, liebe Schwester Michaela, müssen uns verlassen und heute ist sozusagen Ihre offizielle Verabschiedung. Fast vier Jahre waren Sie bei uns. Vier Jahre können eine lange oder kurze Zeit sein, je nachdem ob man hofft, dass die Zeit bald herum ist oder ob man hofft, dass sie noch lange währt. Aus meiner Sicht war es eine kurze Zeit.

Wir hatten in dieser Zeit eigentlich nicht viel miteinander zu tun. Ich bin vielleicht noch zu jung und zu gesund, sodass ich nicht in Ihr Arbeitsblickfeld geraten bin. Umso mehr hatten Sie mit denen zu tun, die Ihres Dienstes am meisten bedurften, Ältere und Kränkere. Sie durften Ihren Lebensweg kreuzen und Ihren Dienst erfahren. Wir dürfen dankbar sein, Ihnen auf diesem Weg begegnet zu sein.

„Ziel und Weg des Glaubens“ steht als Überschrift über dem Abschnitt des ersten Petrusbriefes, dem die heutige zweite Lesung entnommen ist. Und Ihr Lebensweg in der Klostergemeinschaft ist eben auch ein Weg des Glaubens. Das Ziel des Glaubens ist klar beschrieben (Vers 9): euer Heil. Wer Ziele verfolgt, muss auch Zwischenziele definieren, sozusagen Stationen auf dem Weg. Eine Station davon war Ihre Arbeit hier in Cottbus. Hier sind Sie selbst schon zum Heil geworden, wenn auch nicht immer körperliche Heilung, aber seelische Heilung konnten Sie vermitteln. Sie konnten Trost und Zuversicht spenden, wann immer Sie einen Kranken besucht haben. Wir hoffen, dass Sie auch selber Heil erfahren werden. Im Sinne des Heils als Ziel des Glaubens, aber auch Heil als körperliche Heilung. Der eigentliche Anlass Ihres Aufbruchs ist ja ein Hüftleiden, das einer Operation bedarf. Und dann ist Ihr Weg des Glaubens auch wieder konsequent. Sie selbst haben ihn schon vorgezeichnet in Ihren Abschiedsworten: „Nach einer Genesungsphase wird dann ein neuer Auftrag im Kloster Sießen auf mich warten.“

Ganz im Sinn des Paulusbriefes, auch wenn dieser Abschnitt nicht zur heutigen Perikope gehört. „Setzt euer Hoffnung ganz auf die Gnade“ und „Wie er, der euch berufen hat, heilig ist, so soll auch euer ganzes Leben heilig werden“, heißt es in den Versen 13-15. (vielleicht auch als Empfehlung zur weiteren Sonntagslektüre)

Wir wünschen Ihnen von ganzem Herzen, dass dieser Weg gelingt, die körperliche Heilung, der Weg des Glaubens und das Ziel des Glaubens.

So ein Weg braucht aber auch eine Wegzehrung, ohne die wir Sie nicht gehen lassen können. Da ist zunächst etwas geistige Nahrung dabei, etwas dass Sie an Cottbus erinnern soll. Ich hoffe, dass Sie ausreichend Gelegenheit hatten, Cottbus und Umgebung etwas kennen zu lernen, hoffentlich auch den Pücklerpark in Branitz. Was diesen etwas verrückten Fürsten so umgetrieben hat, erfahren Sie in diesem kleinen Büchlein, dazu noch ein paar Geschichten aus dem nahen Spreewald. Und es gibt natürlich auch Wegzehrung für den Körper. Interessanterweise sind es vor allem die scharfen Sachen, die so charakteristisch für unsere Region sind. Zunächst die Spreewaldgurke, die Mutter aller Gurken, das Original. (Ich hatte dazu hier schon referiert.) Sie möge Sie erinnern, dass es hier Christen gibt mit Würze und Biß. Und dann natürlich der Meerrettich, eine unscheinbare Wurzel, die es in sich hat und einem schon die Tränen in die Augen treiben kann. Vielleicht als Erinnerung, dass es auch manchmal traurig ist in der Diaspora.

Als Entschädigung dafür gibt es aber ein weiteres Produkt der Natur, das in diesen Ostertagen besonders beliebt. Es ist sozusagen ein sehr frommes Erzeugnis, besteht es doch fast ausschließlich aus dem Symbol des Lebens und der Auferstehung, aus dem Ei: der Eierlikör. Natürlich auch in der scharfen Variante, dem scharfen Gelb aus Senftenberg, der Nachbarpfarrei im Süden. Nach den Tränen bietet die Diaspora also auch pure Lebensfreude. Und zu guter Letzt ein Produkt, an dem sich die Geister scheiden. Entweder man liebt es oder man hasst es: das Leinöl. Manche rühren es in nahezu alle Speisen. Andere dulden es maximal als Holzanstrich. Ich empfehle: täglich einen Esslöffel pur gleich am Morgen und einmal monatlich Brötchen in Leinöl und Zucker ertränkt. Es gilt als ideales Gelenkschmiermittel und ist sicher von sehr positiver Wirkung für Ihre Hüfte.

Es ist von allem gerade so viel, wie man einzeln verbrauchen kann. Kommen Sie also nicht auf die Idee, zu teilen oder das Ganze zu verschenken. Freuen Sie sich daran und behalten Sie Cottbus und die Pfarrei Zum Guten Hirten in guter Erinnerung, auf Ihrem Weg des Glaubens zum Ziel des Glaubens.


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